Asperger in Bremen


Eine neue Welt etabliert sich …
Oktober 25, 2008, 10:13
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Nachdem wir viele Gespräche mit der Schule geführt haben, hat man sich entschlossen unseren Sohn aus pädagogischen Gründen trotz einer Fehlzeit von über 6 Monaten zu versetzen. Der Hauptgrund hierfür liegt darin, dass wir die gute Integration in die Klasse nicht gefährden wollten.

Die Lehrer sind relativ schlecht organisiert. Es gibt keine etablierten Prozesse der internen Kommunikation – vor allem keine, die vollständig funktionieren. Vielmehr ist es so, dass trotz aller Bemühungen der Klassenlehrerin, Vertretungslehrer durchaus mal die Klasse fragen: „Was hat der denn jetzt? Ist der immer so?“ nachdem unser Sohn die Arme über seinem Kopf verschränkt hat und mit dem Gesicht auf dem Tisch liegt und nicht mehr kann. Solche Situationen kosten dann Tage oder Wochen, die unser Sohn Schwierigkeiten hat, wieder zur Schule zu gehen. Ebenso wie die Geräuschkulisse von über dreizig Schülern.

Im Moment hat die Schule es noch leicht. Im Prinzip ist er von der mündlichen Mitarbeit befreit und es muss akzeptiert werden, dass er nicht immer da sein kann. Es gibt Tage, an denen er es nicht schafft hin zu gehen, an anderen funktioniert es. Aber mehr Integration muss noch nicht bewältigt werden. Auf der Liste stehen noch der Laptop und ggf. auch verkürzte Schulzeiten usw. 

Wir haben uns entschlossen, ihn nicht mehr mit Computerspielzeit oder anderen Dingen zu locken, damit ihm klar ist, dass wir auf seiner Seite sind, wenn er nicht zur Schule KANN. Trotzdem ist es jeden Morgen ein großer Aufwand, der manchmal darin mündet, dass alles klappt und manchmal eben nicht.

Die Finanzierung eines Assistenten ist nun endlich durch, leider jedoch nur 6 Stunden pro Woche, was aus unserer Sicht viel zu wenig ist. Die parallele Therapie ist noch nicht durch – weil es nicht ausreichend Plätze gibt, finanziert wäre sie. Wir werden das jetzt beobachten und vermutlich mehr verlangen, wenn es irgendwie möglich ist.

Die Frage, die wir uns stellen ist vor allem, ob es sinnvoll ist, einen Fachanwalt zu Rate zu ziehen. Manchmal denken wir, es funktioniert ja irgendwie so und warum sollten wir also mehr fordern. Auf der anderen Seite tickt die Uhr und je mehr er jetzt lernen kann, desto besser.

Was Computer angeht sind wir oft sehr zwiespältig: Natürlich sucht unser Sohn die Digitalität. Er spielt gerne Strategiespiele, er will Gameplay, also Aufgaben und Hürden überwinden. Dabei reizen ihn sowohl die Fertigkeiten etwas zu bedienen als auch die Strategien etwas zu erreichen. Doch mit jedem Jahr, das er älter wird, will er mehr spielen. Und obwohl er sich bis heute sowohl daran hält, dass es nur Kaufspiele gibt als auch daran, dass seine Altersfreigabe (er ist fast 14) eingehalten wird, kommen immer Forderungen, nach längeren Spielzeiten und manchmal auch nach Spielen ab 16, die natürlich alle anderen schon spielen dürfen, seit sie 10 sind. Unser Arzt sagt, dass sich Asperger in der Regel nicht für Gewalt interessieren, sondern für die technischen und strategischen Details. Daher rät er, diesen „Segen für die Asperger“ eher lockerer zu handhaben. Uns fällt es manchmal schwer, wenn der Junge seit Stunden vor dem Rechner sitzt und wir mit ihm was machen wollen.

Ausflüge, Urlaube oder Familienfeste planen wir nach einem neuen Prinzip. Unser Sohn kann mit, muss es aber nicht mehr. Wenn wir länger weg fahren, besucht er die Großeltern, machen wir nur einen Ausflug, kann er zuhause bleiben und sich im Großen und Ganzen versorgen (Pizza!). Der Vorteil ist, dass wir uns nicht mehr streiten und auch keine Erwartungen mehr an ihn haben. Oft kommt er gerne mit, wenn man mit ihm spielen will: Fussball, Kicker oder einfach mit dem Hund spazieren.

Wir warten im Moment auf den Beginn der begleitenden Therapie.


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