Gespeichert unter: Literatur, typisch | Schlagworte: film benx kino aspergerkino
Ben ist ein Asperger Autist und wird Zeit seines Lebens von seinen Mitschülern gemobbt. Ben verhält sich untypisch, sieht die Welt aus anderen Augen und lebt sein soziales Leben vor allem durch das MMORG (Massive Multiplayer Online Role Game), in dem er ein Held ist, aus.
Ben hat ein teilweise apokalyptische Kindheit hinter sich, mit Terminen bei Ärzten, Psychologen, Lehrern und anderen “Gegenmenschen”, die nur sein Bestes wollen.
Als es zu schlimm wird beschließt er sich umzubringen.
Der Film (http://www.benx.be) lebt von einer Bildsprache, die die Menüs und die dreidimensionale Welt des Spiels “Archlord” und die bewegten Bilder miteinander verbindet. So wurde viele echte Szenen mit den Fanatsyfiguren des Spieles nachempfunden - eine Parallelwelt entsteht, die sich zu einem Meisterwerk zusammen fügt. Der Film ist für alle, die Asperger nicht kennen ein spannender Kinofilm, der voller Feingefühl, besondernen Dialogen und Offtexten nur so sprüht und für mich einer der besten Filme seit langem.
Für Menschen die sich mit dem Thema Asperger beschäftigen ist der Film eine emotionale Achterbahnfahrt mit ungewissem Ende. Er sollte zur Pflicht für alle “Systemmenschen”, wie Lehrer, Jugendhelfer, Ärzte usw. werden, weil man eindrucksvoll und in kurzer Zeit einen emotionalen Zugang zur Situation eines Aspergers bekommen kann.
Wer bis jetzt keinen Zugang zur Welt der Online-Fantasy-Spiele hatte, wird ihn durch diesen Film bekommen. Es sind schöne Szenen geworden, die im Spiel gefilmt wurden. Die virtuelle Parallelwelt als Lösung für Menschen, die mit der unübersichtlichen Unmenschlichkeit nicht klar kommen? Ja, in Maßen kann es funktionieren.
Der Film ist gut - seht ihn Euch an.
Gespeichert unter: typisch | Schlagworte: asperger syndrom, Familie, besonders
Ganz zweifellos ist eine Familie in der ein Familienmitglied mit dem Asperger Syndrom lebt - eine ganz besondere Familie.Da kann es passieren, dass man abends im Bett liegt und aus dem Kinderzimmer seinen 12jährigen Sohn laut Goethes Faust sich selbst vorlesen hört, * dass man um 22.00 Uhr “Gute Nacht” sagt, man nachts aufwacht und das Kind immer noch liest (6 Stunden später, ohne zwischendurch auf der Toilette gewesen zu sein :-)) und man auf Nachfragen erfährt, dass er fast 500 Seiten am Stück gelesen hat, * dass man sich wundert das der Wäschetrockner und Geschirrspüler immer ordnungsgemäß zu jeder Tages- und Nachtzeit (!) nach Beendigung des Spülgangs bereits ausgeschaltet wurde, obwohl man das selbst mit Sicherheit nicht getan hat, * dass man die alte Socken heimlich wegwirft, * dass man bei einem Spaziergang durch Berlin einen umfangreichen drei stündigen Vortrag über die Alten Griechen präsentiert bekommt, * dass man häufig Fragen gestellt bekommt, auf die man selbst nie kommen könnte, wie z.B. ob es einen Zusammenhang gibt, zwischen der Tatsache dass die Richtung “rechts” in der biblischen Geschichte für das Männliche steht und der Tatsache, dass der deutsche Adler nach rechts schaut, * …..und dass man sich als Mutter oftmals ziemlich ungebildet vorkommt :-))
Gespeichert unter: Schule, typisch, untypisch | Schlagworte: as, asperger syndrom, Schule
Wie ja bereits erwähnt sind wir zur Zeit intensivst bemüht eine Schule bzw. Schulform zu finden, in der sich unser Sohn wohl fühlt. Das gestaltet sich nicht gerade einfach und ich glaube alle die ein Kind mit AS haben, wissen wovon ich rede… Also, haben wir unseren Sohn gestern mit viel Mühe ein Gespräch zum Thema “Schule” abgerungen. Mit festem Zeitrahmen “Wie lange muss ich denn mit euch reden?”, vielen Blicken auf die Uhr und scheinbar größter Anstrengung seinerseits. Als dann Fragen von uns über seine Befindlichkeit kamen, glitt er vom Stuhl und man konnte ihm deutlich anmerken, dass er keine Ahnung hatte, was wir von ihm wollten. Das Reden über Gefühle “wie geht es dir? was willst du? was kannst du? usw.” haben ihn ganz sichtlich überfordert und auch genervt. Also haben wir uns bemüht konkreter zu werden, mit mäßigem Erfolg.Insgesamt haben wir uns aber alle ganz tapfer gehalten, …wenn auch nicht mehr dabei herauskam, als das er gerne auf einem Gymnasium bleiben würde. Für diese Information haben wir fast eine Stunde gebraucht :-)Unser Sohn war sichtlich erleichtert, als diese ganze “Gefühlsduselei” vorbei war und er sich endlich mit einem Buch in seinem Zimmer zurück ziehen konnte. Vereinbart wurde ein weiteres Gespräch am nächsten Wochenende. Ich werde berichten!
Gespeichert unter: Literatur, typisch | Schlagworte: axel brauns, buntschatten und fledermäuse, asperger syndrom, autismus
Ich habe in der letzten Woche von Axel Brauns “Buntschatten und Fledermäuse” gelesen und fand seine Sicht als Autist auf “unsere Welt” super spannend. Man hat ein merkwürdiges Gefühl beim Lesen. Auf der einen Seite ist man verwundert und auch ein bisschen befremdet, auf der anderen Seite fühlt man sich ihm sehr nahe. Da stirbt sein Vater und er nimmt dessen Tod scheinbar “gelassen” hin mit dem Hinweis “er ist doch nur umgezogen”, gleichzeitig wird ein so tiefer und sensibler Blick auf unsere Welt und unser Leben geworfen, dass man von der detailverliebten Sprache und den Empfindungen des Jungen völlig in den Bann gezogen wird. Und: irgendwann im Verlauf des Lesens und dem Eintauchen in diese andere Welt erscheinen einen viele seiner Gedanken und Handlungen auch für den Moment einfach logisch. Bisweilen wird man als “Mare”, wie Axel Brauns die vermeintlich normalen Menschen bezeichnet, auf sich selbst geworfen und bestaunt sein Leben aus einer anderen Perspektive.Unter den “maren” unterscheidet der Schriftsteller zwischen den Buntschatten und den Fledermäusen. Die Buntschatten sind die Menschen, die ihm wohlgesonnen sind und durch sein Leben flattern, ihn annehmen und sein lassen. Die Fledermäuse wirken in ihrer “huschigen” Art bedrohlich und man kann nie wissen, ob aus einem Buntschatten nicht, mir nichts dir nichts, eine Fledermaus wird… Als Mutter stellt man sich unweigerlich die Frage “Bin ich ein Buntschatten oder eine Fledermaus?”, und muss mit Erschrecken feststellen, dass man mit Sicherheit zu den Menschen gehört, die sich ganz plötzlich von einem Butschatten in eine Fledermaus verwandeln. Auch wenn das Leben des Axel Brauns mit dem Autismus im Großen und Ganzen relativ unproplematisch verläuft und viele Eltern mit Sicherheit ganz andere Erfahrungen gemacht haben, ist dieses Buch absolut lesenswert. Neben dem Einblick in das Leben eines autistischen Menschen, den man gewinnt, kann man beim Lesen eine wunderbare Sprache genießen und Sätze wie “es gibt Dinge, die Belohnung in sich selbst finden”…!!!
Gespeichert unter: Schule, typisch | Schlagworte: schule asperger
Wie gesagt sind wir auf der Suche nach eine Schule. Eigentlich suchen wir aber keine Schule, sondern einen Ort an dem unser Sohn “untypisch” lernen kann. Wäre es erlaubt, würden wir auch eine kleine eigene Schulklasse ins Leben rufen, würden helfen eine spezielle Klasse an einer bestehenden Schule zu etablieren, würden Spenden sammeln und einiges andere tun.Wer hat mehr Erfahrung als wir? Wer hat Lust etwas auf die Beine zu stellen? Wie wir gelernt haben, geht es gerade bei diesem Thema um alles: Lärm, die “Geräusche der Fledermäuse”, das Licht, die anderen Schüler - alles hat einen anderen Einfluss auf Lernen.
Angefangen hat eigentlich alles schon viel früher. Nur jetzt hat es einen Namen: Asperger Syndrom. Es ist ein Name für eine untypische Sicht auf die Welt, ein Sicht, die sich für Neuronal Typische (NTs) manchmal komisch anhört und auch manchmal komisch anfühlt. Es gibt das Internet und daher auch eine Menge an Informationen. Nicht sehr strukturiert aber immerhin vorhanden.
Wir wohnen in Bremen und suchen Leute, die auch der Meinung sind, dass ein Aspie keine Krankheit hat, sondern eine besondere Sicht auf alles. Wir suchen Leute, die ihren Kindern oder sich selbst ein Umfeld kreieren wollen, dass sie nicht als Krank, sondern *untypisch* sieht. Wir suchen Leute, die nicht versuchen, Aspies zu normalen Menschen zu machen (weil sie das sowieso sind), sondern andere Wege gehen (Trainer, Ärtze und vor allem Lehrer).
Wir sitzen manchmal da und denken: es müsste eine Schule geben in Bremen oder eine Schulklasse, die klein ist, und die speziell für Aspies konzipiert und betrieben wird. Viel Ruhe, viel Struktur, viel Linearität und individuelle Förderung. Wir glaube nicht, dass es wichtig ist, jemanden, der eine andere Wahrnehmung der Welt hat, dazu zu bringen, die typische Wahrnehmung anzunehmen und so zu lernen, wie es alle anderen tun. Wir glauben es ist besser, Aspies zu fördern ohne dabei immer im Hinterkopf “die normale Welt” da draußen und die anstehende “Selbstständigkeit” des Kindes zu haben.
Daher beginnen wir mit diesem Blog, um heraus zu finden, ob es andere in Bremen oder in der Gegend gibt, die Lust haben ohne viel Vereinsmeierei pragmatisch was zu tun.